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Die neusten Berichte aus Bömighausen

News der Feuerwehr 2023

Erstellt von Dirk Wilke | |   Aktuelles von der Feuerwehr

Hier finden Sie die News der Freiwilligen Feuerwehr Bömighausen für das Jahr 2023

Zusammenarbeit statt Übernahme

Bömighausen und Neerdar vereinigen Einsatzabteilungen

Bömighausen/Neerdar – Die Einsatzabteilungen der Willinger Feuerwehren Bömighausen und Neerdar haben fusioniert – eine Premiere im Upland. Nach einigen Wochen zieht die Wehrführung aus Achim Schuppe, Ralf Zaunig und Florian Schulze zusammen mit Gemeinde-brandinspektor Jürgen Querl Bilanz – und erklärt, wie Fusionen gut gelingen. Wie kam es dazu, dass eine Zusammenlegung der beiden Einsatzabteilungen nötig wurde?

Schuppe: Allein deshalb, weil der demografische Wandel auch in den kleineren Dörfern, speziell bei uns in Neerdar, so dermaßen zugeschlagen hat.

Wir haben einfach keine Leute mehr für eine Einsatzabteilung. Da haben wir uns Gedanken gemacht – der damalige Wehrführer von Bömighausen Markus Potthof und ich – wie man die Kuh vom Eis kriegt. Die einzige Möglichkeit war, die Einsatzabteilungen zusammenzulegen.

Die Einsicht gab es gleich auf beiden Seiten?

Zaunig: Ja, die gab es.

Schuppe: Da war keine große Diskussion.

Wenn man zwei vormals selbstständige Einsatzabteilungen zusammenlegt, was ist wichtig, damit das funktioniert?

Schuppe: Dass man auf Augenhöhe kommuniziert. Es ist keine Übernahme der einen Wehr durch die andere, sondern eine Zusammenarbeit.

Querl: Wir haben von Anfang an alle mitgenommen. Wir haben mit beiden Einsatzabteilungen getrennt gesprochen, wie sie das sehen, dann mit beiden zusammen. Die ganze Diskussion war sehr konstruktiv, weil alle den Ernst der Lage erkannt haben: Wir müssen eine funktionierende

Feuerwehr aufstellen. Und wenn wir die Mitgliederzahlen nicht haben, wird das schwierig.

Wir haben die Politik rausgelassen, das wurde rein auf Feuerwehr-Ebene entschieden, im Wehrführerkreis und nachher mit allen Mitgliedern der Einsatzabteilungen. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass jeder wusste, was los war, und keiner von oben sagte „Jetzt macht das mal“.

Es ist aus den beiden Einsatzabteilungen gekommen.

Wie läuft es bislang so?

Zaunig: Es klappt ganz gut. Wir üben alle 14 Tage gemeinsam – mal in Neerdar, etwas öfter in Bömighausen, weil da mehr Mitglieder wohnen und

weniger Leute fahren müssen. Aber die Bömighäuser müssen die örtlichen Begebenheiten in Neerdar kennenlernen und umgekehrt.

Man muss sich also in den neuen Ort erst noch einarbeiten?

Zaunig: Natürlich. Auch als Nachbar-Wehr weiß man zum Beispiel nicht unbedingt, wo die Hydranten sind. Es ist wichtig zu üben und zu lernen: Wo befindet sich die Ausrüstung auf dem anderen Fahrzeug? Denn die werden jetzt auch gemischt bestückt.

Hat sich durch die Fusion irgendetwas im Alltagsalltag geändert? Unerwartete Vorteile oder Herausforderungen?

Schuppe: Man muss halt mit einem Fahrzeug arbeiten, mit dem man sonst nicht im täglichen Betrieb vertraut ist – aber das sind alles lösbare Probleme.

Zaunig: Das schleift sich ein.

Querl: Es kommt Ausbildungsaufwand dazu, keine Frage. Aber das war allen klar.

Was bedeutet so eine Fusion für Ausrüstung, Häuser und Fahrzeuge?

Querl: Wir haben angefangen, über die Fusion nachzudenken, weil in beiden Ortsteilen Fahrzeuge stehen, die 25 Jahre und älter sind. Können wir verantworten, da zwei neue Fahrzeuge hinzustellen, auch der Politik gegenüber? Das war ein ausschlaggebender Punkt. Die Gemeinde muss jetzt

noch die Voraussetzungen schaffen, dass die beiden Einsatzabteilungen vernünftig arbeiten können. Ein neues Fahrzeug für Bömighausen-Neerdar wurde bestellt, ein TSF-W.

Wie sieht es mit dem Feuerwehrhaus aus?

Querl: Die Geschichte, dass das in Bömighausen nicht mehr den Vorschriften entspricht, gärte länger. Das ist aber auch in trockenen Tüchern. Ich gehe davon aus, dass wir Anfang oder Mitte März den Neubau starten. Mit dem Fahrzeug und dem Gebäude hat die Gemeinde die Voraussetzungen geschaffen, um vernünftig arbeiten zu können. Mit neuer Technik, neuer

Unterkunft, neuen Möglichkeiten zum Umziehen inklusive Geschlechtertrennung. Ein wichtiges Argument für den Gerätehaus-Neubau war der Nachwuchs: Welleringhausen, Neerdar und Bömighausen haben eine gemeinsame Jugendfeuerwehr. In Bömighausen, wo die meisten Kinder

leben, haben sie dann ihre Heimat und ein geeignetes Gerätehaus für die Ausbildung.

Gibt es weiterhin Bereiche, wo jede Wehr ganz für sich ist?

Querl: Jede Feuerwehr hat weiterhin ihren eigenen Verein. Das haben wir bewusst gemacht: Es gibt ein Osterfeuer in Neerdar, es gibt ein Seefest in Bömighausen, all diese Dinge, welche die Vereine machen. Wir haben ja auch Leute, die sind nicht in der Einsatzabteilung, aber im Verein. Wenn

wir das rote Auto aus der Garage nehmen, dann ist das kulturelle Leben in manchen Ortsteilen vorbei, weil die Feuerwehr viel macht. Das wollten wir nicht kaputtmachen, indem wir die Vereine zusammenlegen.

Werden Fusionen in anderen Wehren erwogen?

Querl: Das gibt es schon öfters, etwa Bergheim und Giflitz. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir in zehn Jahren andere Einsatzabteilungen als heutzutage haben. Wir werden mit Sicherheit – das ist meine persönliche Meinung – auch hauptamtliche Kräfte in den großen Kernwehren benötigen. Denn was in Sachen Prüfung auf uns zukommt, ist ehrenamtlich fast schon nicht mehr zu leisten. Wahrscheinlich wird sich die Lage noch verschlimmern, da in allen Bereichen der Nachwuchs fehlt.

Also sind die kleinen Ortsteile Vorboten einer Entwicklung, die auch die großen einholt?Querl: Ja, und das wird auch nicht nur in Willingen so sein. In allen Gemeinden im Landkreis Waldeck-Frankenberg, gibt es Ortsteile, in denen es eng ist – man hat halt nur diesen Schritt der Fusion noch nicht vollzogen. Aber es werden ja schon zu kleinen Einsätzen mehrere Feuerwehren geschickt, weil es tagsüber sowieso dünn ist. Die Leute arbeiten oft außerhalb und sind gar nicht mehr vor Ort.

Welches Fazit können sie seit der Fusion im Oktober ziehen? Alles gut?

Schuppe: Alles ist nie gut. Probleme gibt es immer: Reibungspunkte und Sachen, die nicht zusammenpassen. Aber wir sind auf einem guten Weg. Bis jetzt klappt es gut. Es ist nicht optimal – aber wir sind so weit, dass wir unsere Arbeit machen können. Querl: Das hat aber auch damit zu tun, dass die baulichen Voraussetzungen in Bömighausen eine echte Katastrophe sind, das muss man so sagen.

Zu den Personen

 

Achim Schuppe(54)

aus Neerdarwurde1994 stellvertretender Wehrführer,1996 übernahm er das Kommando,nun auch für Bömighausen. Er arbeitet als Notfallsanitäter.

Ralf Zaunig(61)

wurde 2017 stellvertretender Wehrführer in Bömighausen und bleibt in dieser Funktion. Beruflich ist er als Auslieferungsfahrer unterwegs.

Florian Schulze(28)

aus Bömighausen ist neu in der Wehrführung.Bereits seit 2012ist er als

Jugendwart aktiv.Er arbeitet als Metzger.

Jürgen Querl (59)

aus Willingen ist seit 2010 Gemeindebrandinspektor im Upland. Er leitet den Bauhof.

©WLZ

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